17. Juli 2026 — In Abwandlung eines Wortes von Paul Valéry: Es würde nichts Geschriebenes von mir geben, wenn ich nicht seine Entstehung auf langen Fußwegen, welche die zum Schreiben benötigte Zeit und Kraft verbrauchen, stets fast verhindern würde. Wandern ist eine Form der Selbstkritik: Die eigenen Wege werden durchkreuzt, Morsches wird abgerissen, Wildwuchs beseitigt. Der Autor, der seine »Idee«, seine »Masche«, seinen »Stil« gefunden hat, und auf dieser Bahn enthemmt, mit unbelehrbarem Idealismus »fortwirkt«, ist eine grauenerregende Vorstellung.
Im Gehen bringe ich das zu Schreibende vor mich, komme dann aber kaum oder immer erst mit einer gewissen Verzögerung dazu, es auch aufzuschreiben. Unterwegs weiß ich ungeheuer viel, habe alles präsent – daheim ist erst einmal alles vergessen und wird zum Gegenstand mühsamer Erinnerungsarbeit. Das Leben neigt dazu, die gewonnene Klarheit zu verunklären, das erworbene (vielleicht auch bloß eingebildete) Können zu verschütten. Form entsteht (meine ich) immer nur durch diesen Widerstreit (an dem es folglich nichts zu beklagen, aber viel zu reflektieren gibt). Was in einem Text gesagt wird (und wie es gesagt wird), ist immer nur die sparsamste der möglichen Varianten; jede Form ist Folge eines großen Aussparens.
Ein Jahr ist nun schon vergangen seit dem Wiederbeginn dieses Reiseblogs eines Autors, der nicht reist. Wenig Raum erst ist eingeholt, noch nicht einmal die nähere Umgebung ist vollständig beschrieben, eigentlich ist noch gar nichts gelungen. Aber ich bin’s zufrieden und möchte so weitermachen. Vielleicht gelingt im August mal eine Wanderung zum Kickelhahn. Auch weiterhin, das ist klar, wird hier nicht die Kultur gerettet, für rein gar nichts »plädiert«, in kein Mikrofon gesprochen und kein Podcast gestartet. Der Blog wird eine völlig hinterwäldlerische Angelegenheit bleiben: ein totes Ende des Weltnetzes. Muß nicht, wer hier mitliest, das Gefühl bekommen, in ein ziemlich bedenkliches Abseits geraten zu sein? Wohlan!
Wie freilich ein solch Weltloser auf die Idee kommt, ein Buch mit dem Titel »Die Politik der Weltlosigkeit« zu schreiben – diese Frage kann nicht im Blog, sondern nur im Buch selbst beantwortet werden. Bald.
Dank und Gruß!
