Person und Werk

TK | Sommer 2020
TK | Sommer 2020

Timo Kölling, 1978 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen, lebt und schreibt an wechselnden Orten. Tradition und Bruch, Schrift und Rettung, Grenze und Landschaft, Selbstsein und Fremdheit sowie immer wieder das Gehen und das Wandern gehören zu den Themen seiner Dichtung und Deutung.

Von 1995 bis 2000 gab Kölling das englischsprachige Black-Metal-Fanzine »Moondance« heraus. Insbesondere die fünfte und letzte Ausgabe wurde als zentrale Stimme einer Gegenkultur wahrgenommen, die der Kommerzialisierung des Heavy Metals den existentiellen Ernst der Black-Metal-Bewegung der Jahre 1990 bis 1995 entgegensetzte, und für deren ideelle Selbstvergewisserung zunehmend Namen wie Ernst Jünger, Oswald Spengler und Julius Evola wichtig wurden. Die 2014 geschriebene Erzählung »Schwarzmetall« läßt Erinnerungen an jene Zeit anklingen.

Die ersten Bücher, das von Jünger geprägte Tagebuch »Silhouetten im Nebel« (1999/2000) und die von Stefan George beeinflußten Gedichte »Begegnungen in Weiß« (2001), blieben unveröffentlicht, bis im Jahr 2003 der Entschluß erfolgte, als freier Schriftsteller zu leben. Zu diesem Zeitpunkt war das rein weltanschaulich motivierte Schreiben bereits zurückgetreten hinter die Dichtung und hinter das Bedürfnis nach metaphysischer bzw. erkenntnistheoretischer Vertiefung. Von letzterer legt das 2006 veröffentlichte umfangreiche Buch »Tradition und Transzendenz« Zeugnis ab, in dessen Mittelpunkt eine Interpretation von Heideggers Kehre sowie eine fundamentalontologische Lektüre Kants, Hegels, Nietzsches und Husserls stehen. Eine Neufassung dieses Buches ist in Vorbereitung.

Im Jahr 2008 erschien im Königshausen & Neumann Verlag ein Buch über den weitgehend vergessenen christlich-traditionalistischen Philosophen Leopold Ziegler und seinen Einfluß auf die Gebrüder Jünger. Es enthält eine Entschlüsselung von Ernst Jüngers Essay »Der Arbeiter«. Es folgten mehrere Titel im Eisenhut Verlag, unter anderem der Essay »Ernst Jünger und die Nichtvergeßlichkeit« und das Denktagebuch »Exodus Schwarz«. 2017 konnte, wiederum im Königshausen & Neumann Verlag, nach mehrjähriger Arbeit die Ziegler-Werkgeschichte »Leopold Ziegler, Philosoph der letzten Dinge« erscheinen, die sich zugleich als geschichtsphilosophische Theorie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts versteht.

Seither ist Kölling, auf Unabhängigkeit bedacht, zur früheren Praxis zurückgekehrt, seine Bücher im Eigenverlag herauszugeben. Den Anfang machte im Sommer 2017 die Veröffentlichung von »Die Waage im Ungrund oder Aristoteles als konservativer Revolutionär«: ein konzentrierter Traktat auf der Grenze von Philosophiegeschichte und Erkenntnistheorie, Etymologie, Politischer Theologie und Integraler Tradition. Aristoteles wurde zum konservativen Revolutionär des griechischen Denkens, indem er der fallenden Linie der von Parmenides begründeten Ontologie, auf welche sich »das Abendland« gründen sollte, eine ältere Tradition entgegensetzte: die eurasische Gnosis.

Das Zentrum von Köllings Werk aber bildet, in Lyrik und Prosa, die Dichtung. Der aktuelle Gedichtband »Brandung und Geräum« enthält die Selbstaussage dessen, der lieber wandernd unterwegs ist und sich an das Eigene und die Eigenen hält, als an einer gleichgültig gewordenen Öffentlichkeit, einer bereits untergegangenen Kultur teilzunehmen:

»Form, deine:
Fügung, zu dicht im
Sein für
kurze Wege.«

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In folgendem Werkverzeichnis geben die Jahreszahlen das Jahr der Erstveröffentlichung bzw. der Entstehung oder Fertigstellung an. Die älteren Bücher werden nach und nach in neuen Auflagen wiederöffentlicht. Informationen zur aktuellen Auflage erhalten Sie durch Klick auf den jeweiligen Titel.


Dichtung

>> Begegnungen in Weiß. Gedichte (2001)
>> Versuch eines Winters. Gedichte (2003)
>> William Blake: Die Hochzeit von Himmel und Hölle. Nachdichtung (2003)
>> Gebete aus Stein. Gedichte (2007)
>> Die Gabe des Zitterns. Gedichte (2013)
>> Was nicht geschah. Erzählungen (2014)
>> Brandung und Geräum. Gedichte (2019)


Deutung

>> Leopold Ziegler. Eine Schlüsselfigur im Umkreis des Denkens von E. Jünger und F. G. Jünger (2008)
>> Ernst Jünger und die Nichtvergeßlichkeit. Der Autor als Schrift (2011)
>> Leopold Ziegler, Philosoph der letzten Dinge. Eine Werkgeschichte 1901-1958 (2016)
>> Die Waage im Ungrund oder Aristoteles als konservativer Revolutionär. Naturrechtliches Fragment (2003/16)
>> Hölderlins Landschaft. Essay (2017)
>> Romanische Halle. Fragmente (2012-2019)

Vergriffen:
>> Ende und Anfang. Drei Schriften (2002)
>> Tradition und Transzendenz. Ideen zu einer europäischen Philosophie (2006)


Tagebuch

>> Das Wissen der Schwalben. Traumtagebuch (2000-02/2007-08)
>> Exodus Schwarz. Notizheft 2011
>> Wir sind die Äußersten. Traumprosa (2012-2017)

Vergriffen:
>> Silhouetten im Nebel. Aufzeichnungen (1999/2000)


Reihe »Herzlandschaft«

Vergriffen:
>> Eins: Ewigkleine Wiederkehr (2015)
>> Zwei: Schwalbengeräum (2016)
>> Drei: Letzte Wanderung (2017)


Als Herausgeber / Kommentator

>> Konrad Weiß: Das unstillbare Herz. Ein Lesebuch (2011)
>> Kommentarteil zu Leopold Ziegler: Entwurf eines Michaeldromenons (2012)


Beiträge in Sammelbänden

>> Paulus Wall (Hrsg.): Mythos – Logos – Integrale Tradition (2009)
>> Einleitung zu Leopold Ziegler: Gesammelte Aufsätze II (2010)
>> Manfred Bosch / Paulus Wall (Hrsg.): Vom alten Wahren. Lebenswelt und Transäon (2015)


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© 2020, Timo Kölling