26. Juli 2026 — Ich hatte den falschen Eingang genommen. Jetzt stellte ich fest, daß es sich nicht um einen Tunnel mit zwei Eingängen handelte, sondern um zwei verschiedene Tunnel. Der Gang war immer enger geworden und würde bald enden; ich konnte mich schon kaum mehr bewegen. Wie durch die Augen eines anderen sah ich mich gekrümmt in dem Tunnel hocken, und von außen drückten morsche Holzbalken gegen das Gewölbe, auf denen nasser schwerer Schnee lag.
Es gelang mir, mich rückwärts zum Eingang zurückzubewegen. Ich rief, um den draußen Versammelten Bescheid zu geben. Sogar politische Prominenz war jetzt verspätet angereist, vermutlich auf Einladung von x. Ich wurde sehr herzlich begrüßt, es war kein böses Spiel, alles Bedrückende, das üblicherweise vorherrscht, wenn bewölkte Seelen zusammenkommen – und welche Seele wäre nicht bewölkt? –, hatte sich in Luft aufgelöst. Dies mußte dem Wirken von x zu verdanken sein, keine Frage, es war durchaus geheimnisvoll, wie ihm dies immer gelang. Die Stimmung war so heiter wie das Sommerwetter; trotzdem konnte ich meine Ungeduld kaum beherrschen. Eine aufwendige Verabschiedung war nicht nötig, die Leute tranken Sekt, ich hatte keinen getrunken und trank auch jetzt keinen. Schon befand ich mich wieder im Tunnel, jetzt dem richtigen.
Der Anfang des Tunnels bestand aus einer großen alten Gaststube, in der sich schon lange niemand mehr aufgehalten hatte. Durch die lange Fensterreihe zur Rechten hatte es etwas von einem Zugabteil oder vom Inneren eines Flugzeugs. Die Scheiben waren milchig, man konnte kaum hindurchsehen, aber die Sonne schien herein und es war warm. Es roch nach sonnenbeschienenem Holz und alten Büchern, dabei befanden sich gar keine Bücher in dem Raum. Links war eine Theke, über welcher Biergläser hingen; das alles war schon lange nicht mehr in Gebrauch. Ich machte Schwimmbewegungen, um den Vorhang der Spinnweben beiseitezuschieben.
Hinten links befand sich ein größeren schwarzes Loch in der Wand: die Fortsetzung oder der eigentliche Beginn des Tunnels und meiner Reise. Von draußen waren schon keine Stimmen mehr zu hören; ich war voller Spannung und Vorfreude und rechnete mit der Möglichkeit, nicht mehr zurückzukehren. Ging es ins Innere der Erde, war es eine Reise zum Mittelpunkt der Welt? Eigentlich wußte ich nichts, die Reise war mit keinem Auftrag, keinem bestimmten Vorhaben verbunden. Aber aufgebrochen zu sein, erfüllte mich mit einem unbeschreiblichen Wohlgefühl, zu dem auch das Wissen um die Schönheit der Welt hinter den milchigen Scheiben und das Nichtwissen um das jetzt unwiderruflich Kommende gehörten.