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Selbstauskunft

Timo Kölling 2010

Ich bin katholischer Christ. Meine »Theologie« ist die in den Kirchenbauten der Romanik festgeschriebene. Meine »Religion« ist die Landschaft zwischen Fritzlar, Magdeburg und Osnabrück, als die romanischen Kirchen aufwuchsen. Viel hat sich nicht verändert seither, und was sich verändert hat, kommt kaum in Betracht. Es gehört der Sphäre des Zufalls an. Man macht hier und da mit, das ist alles. Das Gotische erlebe ich schon als Bruch – daraus folgt alles weitere. Um 1150 wäre ich vielleicht Zisterzienser in Amelungsborn gewesen. Ich liebe das Odfeld, und schon deshalb stelle ich Wilhelm Raabe über Goethe und Schiller. Die heutige Existenz mit alledem in Einklang zu bringen, interessiert mich nicht. Ich glaube nicht an den Einklang, sondern an die Kraft der Dissonanz, an das Bittergefurchte alles Irdischen, an das Wirken der Klarheit, an die Welt als Phantasma und Spiel, an die rechtfertigende Kraft der Liebe. Deshalb halte ich die Verse, die Dante auf seinem Weg zur Himmelskönigin dem hl. Bernhard in den Mund legt, für die wunderbarsten je geschriebenen. — April 2015


Veröffentlicht in:

Romanische Halle
Fragmente 2012-2019

Timo Kölling - Romanische Halle

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