27. Juni 2025 — Wenn wir auf die der Schanze vorgelagerte Wiese, das heißt auf die Wasserscheide zwischen Horbach und Deesbach treten, wiederholt sich, jetzt in nordöstlicher Richtung, der Eindruck eines von Berghängen eingerahmten Fensters in die Ferne. Aber wir sind hier nicht nur so weit oben, sondern auch so weit innen im Gebirge, daß die eigentliche Ferne ausgespart bleibt. Sie bleibt ausgespart und ist doch da im Leuchten der Weite des Himmels. Es ist ein Leuchten, das es nur im Hochland gibt. Und das wahrnehmbar ist vielleicht nur im Wissen um die hinter der Horizontlinie liegende Fülle der Gegenden.
WeiterlesenAnte portas
26. Juni 2025 — Die Rückseite des Hauses blickt nach Südosten. Das Grundstück ist leicht geneigt und liegt am Rande eines abschüssigen Bergwiesengeländes, in das sich, kaum hat er sich in den Wiesen gesammelt, der Horbach tief in den Schiefer gräbt. In zwei-, dreihundert Metern Entfernung beginnt der auf steinigem, teils sandigem Boden von Kiefern durchsetzte Fichten- und Tannenwald. Kaum hat der Bach den Wald erreicht, wird die schmale Talkerbe so steil, daß ihr weiterer Verlauf vom Haus aus unsichtbar bleibt. Man blickt an dieser Stelle weit über das Tal hinweg gegen den Rennsteig, und dieses Fenster ins Land ist schön eingerahmt von den Baumwipfeln, die zu beiden Seiten gleichmäßig herabreichen. Es ist dunkles Land: nachts kein Licht. Lediglich hinter dem Hügel zur Rechten ein violetter Schimmer, der auf ein Dorf oder eine Stadt hinweist: das in zehn Kilometern Entfernung gelegene Neuhaus am Rennweg.
WeiterlesenLebenslauf / Meidung
25. Juni 2025 — »Aufgewachsen dort, wo der Osten Ostwestfalens in den Westen Westostfalens übergeht, verbrachte ich längere Zeit im Norden des Südwestens und wohne nun seit mehreren Jahren im Südwesten Ostthüringens. Als ginge es darum, eine in ihrer Heiligkeit zu meidende Mitte einzukreisen. Die stumme Erkundung dieser Grenzlagen, die immer feinere ertraglose und brotlose Erkenntnis der Grenzen und Übergänge auf Tausenden von Kilometern Fußweg erlaubte es mir …« – »Bitte entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber was haben Sie sonst so geleistet?« – »Nein.«
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