Neue Bühne

26. Februar 2026 — Als wäre das ganze Land von den namenlosen Wassern durchspült worden, erschien es plötzlich wie auf neuer Bühne. Ungläubiges, leises Herumtappen der wenigen Passanten in der herrlichen Öde des frühen Frühlings am Bahnhof Rottenbach, bei großem Spatzenbetrieb in der unbelaubten Dornenhecke hinter den Gleisen. Hier könnte man absichtlich den Zug verpassen, um eine Stunde lang ins dichte Gezweig mit den vertrockneten Beeren zu starren, während Rauch aus den Schornsteinen steigt und Sonnenstrahlen den Dunst auflösen, der sich in der von Wald umgebenen Talschneise oft bis zum Nachmittag hält. Merkwürdig, wie die eigene Kraftlosigkeit den Sinn für die Schönheit der Dinge schärft, als läge Heil darin, daß man, nur »eines Schattens Traum«, von der Teilhabe ausgeschlossen bleibt. Auf der Fahrt nach Erfurt dann die weiten Blicke in die dem eilig nach Nordwesten flüchtenden Thüringer Wald vorgelagerten Landschaftskammern mit ihren Zeugenbergen und Burgen, malerisch unter Schleierwolken, wie ein großes Museum am Tag vor Eröffnung, jetzt noch unbetretbar, durch ein unsichtbares Absperrband vor der Ungeduld der gierigen Besichtigungswilligen geschützt.