Juli 2025 — Der Juli-Mut der Weidenröschen, die plötzlich überall lila auf ihren langen Stängeln blühen – wo sind sie so schnell hergekommen? Der jetzt verblühte Fingerhut hat ihnen die Fackel übergeben. Wo immer gerodet wird, sind bald die Weidenröschen da und ragen zwischen den alten Baumstümpfen und den jungen Birken und Tannen als kühne Lanzen aus den gleichfalls schnell emporgewachsenen Gräsern. Brachflächen gibt es hier nicht, und sobald all das Heranwachsende die ersten Schatten wirft, schließt auch der Blaubeerteppich sich wieder über der zerfurchten Erde zu.
Julilang einmal täglich zur Quelle – oder zutreffender: zur Sammelgrube – des Horbachs nahe der Hauptstraße gehen, von wo sich herrliche Eschen und Erlen, die den Rindern Schatten spenden, den Bachgraben entlang hangabwärts ziehen. Von hier aus sieht die Schanze ganz vorzeitlich aus, erscheint als reine Vorzeitform. Hier stehen und stillhalten, dir genügt’s. Und einmal täglich auch auf die gegenüberliegende Seite gehen, dort sitzen, aufs Dorf blicken und stillhaltend den Juli-Mut der Weidenröschen fassen.



