UNVERSÖHNLICHKEIT

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Landschaft bei Neckarbischofsheim

Aus den Eggen, Bühlen und Auen
wirst, Versehrter, du erbauen
Landschaft, Landschaft, die Gestalt
deiner höchsten Stunden ist.

Über Schienen, über Straßen
jagen, die dies all’ vergaßen,
Flächenwesen ohne Kraft,
blind in ihrer Sehnsucht Haft.

Dummheit spreizt sich auf als Leben.
Nichts davon wirst du vergeben,
wenn sie, wie sie’s muß, zusammen-,
jämmerlich zusammenstürzt.

Neuer Knoten, der sich schürzt,
wird dich aus der Brache heben.
Was du übst, ist nicht Gewalt.
Sanft ist dein Gesetz. Es stammen

Räume, die die Füße leiten,
aus der Weisheit der Natur.
Freiheit nicht ist dein Durchschreiten
all des Landschaftsbaues. Schwur,

an das Feste dich zu halten,
stellt dich in des Festen Walten.
Linien, Wellen, Hügelreihn
lehren dich, Gestalt zu sein:

Grenze gegen Suchers Ringen
um den Sinn, den er vermißt;
denn er lebt nicht in den Dingen,
sieht nur, was er selber ist.

Wer erinnernd lebt, vergißt
Sehnsuchts selbstverliebtes Jagen,
und der Glanz von alten Tagen
setzt sich fort in deiner Spur.


Aus: Brandung und Geräum. Gedichte (2019)

Timo Kölling: Brandung und Geräum